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Thank you!

The farewell gig at Nosturi was epic and you, our fans and friends, made this experience and all past years incredible.

We couldn't have done this without you!

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Idioglossia

Hallo! Ich war überrascht von eurem neuen Album – nicht nur, weil viele Songs darauf Ohrwürmer sind und mit jedem weiteren Hören noch besser werden, sondern auch, weil es so leicht nicht zu kategorisieren ist. Die Zutaten sind bekannt, doch die Mischung ungewöhnlich: wie kommt’s?

Teemu (b): Nun, es war immer so etwas wie unser Markenzeichen, all die unterschiedlichen Metal-Spielarten so zu verbinden wie nie zuvor. Es liegt vielleicht daran, dass wir vor Kiuas alle möglichen Arten von Musik gespielt haben. Obwohl unser Gitarrist alle Lieder und Texte schreibt, denke ich, dass er und wir alle von einer großen Bandbreite verschiedener musikalischer Ideen beeinflusst werden – von Thrash-, Death-, Black- und traditionellen Metal-Subgenres bis zu Jazz, Ethno, Blues, Rock und sogar Pop.

Ich habe bemerkt, dass viele finnische Gruppen genau den gleichen Standard-Keyboardsound einsetzen, und auch ihr könnt euch von diesem Vorwurf nicht freimachen. Wieso? - Bekennt euch schuldig!

Teemu: Das ist vielleicht der Einfluss der größeren Bands in Finnland, deren bereits benutzte Sounds wir blind aufgegriffen haben. Ich selbst denke zwar nicht, dass wir das tun – zumindest nicht bewusst – aber es ist sicher leichter, einem bereits betretenen Pfad zu folgen als sich durchs Dickicht zu schlagen, obwohl man dort unentdeckte Schätze finden könnte...Auch ist es wahr, dass viele Keyboarder nicht mutig oder phantasievoll genug sind, um die Grenzen ihres Instruments auszuloten, besonders, was den Sound betrifft – ich meine nicht das technische Zeug mit den schnellen Fingerübungen. Eventuell liegt es auch daran, dass das Keyboard in vielen Metalbands hauptsächlich zur Bereitstellung der grundlegenden Akkordmuster dient, statt aus der Musik herauszustechen.

Für mich sieht es so aus, dass die meisten skandinavischen und besonders finnischen Bands ungeachtet ihrer instrumentalen Fähigkeiten viel zu formelhaft und kalkuliert vorgehen und nichts Eigenständiges wagen. Scheinbar finden einzelne Gruppen ihre Nische, worauf unzählige andere sie nachmachen. Lässt sich der Reichtum an Bands, die gutes Handwerk abliefern, an der staatlichen Subvention von musikalischer Ausbildung festmachen? Glaubst du, dass die daher rührenden hohen technischen Standards die Entwicklung der Musiker hin zu eigenständiger Kunst irgendwie behindern?

Mikko: Sind skandinavische und vor allem finnische Bands nicht ziemlich erfolgreich heutzutage? – Sie müssen also irgendetwas richtig machen, oder? Nenn’ sie Kopisten, aber sie sind da draußen auf Tour und verkaufen viele Scheiben. Was Kiuas angeht: nenn’ mir eine Band, die wir direkt kopieren würden, oder jemanden, der Gesang und Instrumentierung zu einer solchen Musik verbindet wie unserer! Dass der hohe technische Standard und die Ausbildung die Kreativität behindern sollen...Scheiß drauf! Nur fehlende Vorstellungskraft und Mutlosigkeit sind die Gründe dafür, dass Musiker uninteressante Musik produzieren. Außerdem gibt es genauso Unmengen an Langweilern, die uninteressante Musik machen und dabei überhaupt keine technischen Fähigkeiten haben. Denk mal darüber nach.

Teemu: Auf Kiuas trifft für mich die Beschreibung nicht zu, wir seien zu gewöhnlich. Außerdem stimme ich nicht mit der Behauptung überein, finnische Bands seien zu beschränkt. Natürlich sind diejenigen mit der meisten Aufmerksamkeit seitens der Medien glatt und gut produziert, gleichzeitig aber auch am langweiligsten, wie ich finde. Andererseits gibt es hier viele wirklich verschrobene und originell klingende Bands, die es bisher noch nicht bis in die großen Hallen geschafft haben. Einen großen Teil der Schuld dafür, dass man im Radio keinen originellen Metal hört, tragen die großen Sender, die sich weigern, abgesehen von Nightwish oder HIM Metal zu spielen. Ich denke auch, dass die technische Ausbildung den Musikern mehr Möglichkeiten bereitet, anspruchsvollere Musik zu schaffen. Sicher kann es da zu Wettkämpfen kommen, welcher Gitarrist am schnellsten oder abgefahrensten spielt, doch genauso kann es die Bandbreite dessen erweitern, woher man die Elemente für „eigenständige Kunst“ bekommt, wie du es nennst.

Buddy Guy, Jurassic 5 und Johnny Winter sind nicht gerade die typischen Lieblingsmusiker unter Metallern - besonders dann nicht, wenn sie so jung sind wie ihr. Sind diese Vorlieben für eure Eigenständigkeit mitverantwortlich? Beim Gesang höre ich außerdem etwas Dio und allgemein Metal-Sänger der Achtziger heraus...

Ilja: Ich mag Musik – Punkt. Wir alle tun das, und es wäre verdammt dumm, nur Metal zu hören. Logisch, dass jeder seine Vorlieben hat, aber verdammt – die Welt dort draußen ist voller Musik. Hören und Lernen...oh, eins noch: ich steh’ nicht auf Johnny Winter.

Das steht aber auf eurer Website...und ihr covert Jethro Tull auf eurer neuen Single, was genauso ungewöhnlich erscheint. Wird man das Stück auch außerhalb Finnlands zu hören bekommen?

Ilja: Sicher, kein Problem – Es ist der Bonus-Track der Japan-Version. Reisen macht Spaß.

Sehr witzig...und was ist an dem Ausruf „Yeah“ so toll, dass man ihn in der Hälfte der neuen Stücke hört? Statt gestelzt hört es sich allerdings eher so an, als hättet ihr einen Haufen Spaß bei den Aufnahmen gehabt, stimmt’s?

Ilja: It’s Rock’n’Roll, Baby! – Ein wenig Improvisation, um uns an unsere musikalischen Wurzeln zu erinnern. Zähl’ die „Yeahs“, dahinter verbirgt sich heidnische Symbolik...

Gab oder gibt es inzestuöse Beziehungen zu anderen Bands, oder haben Kiuas Priorität?

Teemu: Auf Kiuas liegt unser Hauptaugenmerk, auch wenn Ilja eine Roots-Band hat, der er sich ausgiebig widmet. Ich glaube auch, dass Mikko Millionen Nebenprojekte oder andere musikalische Formate hat, um sich auf Trab zu halten. Das Hirn eines Genies ruht ja bekanntlich nicht.

Mikko: I habe auch andere Gigs am laufen und gebe Unterricht, um meine Rechnungen zu bezahlen.

Bringen euch die Singles zu Hause eigentlich etwas? – Man hört hier ständig davon, wie beliebt Metal bei euch da oben ist, und scheinbar sind nationale Chartplatzierungen wichtig für eine Band, die erfolgreich sein möchte – Wie geht es Kiuas in dieser Hinsicht?

Mikko: I glaube nicht, dass eine echte Metal-Band Charterfolge nötig hat, aber es hilft dir natürlich schon. Das neue Album ist übrigens auf Platz 21 eingestiegen.

Kiuas sind in Zentraleuropa relativ unbekannt. Eure Website ist nur in Finnisch gehalten, und in eurem Forum bei UltimateMetal.com ist auch nicht viel los. Es ist wohl höchste Zeit, dass ihr bei uns Konzerte gebt, denn die Fans sollten eigentlich wie verrückt auf euer Zeug anspringen...Gibt es Pläne für eine Support-Tour?

Teemu: Eigentlich gibt’s unsere Site auf Finnisch, Englisch und teilweise sogar Japanisch; oben rechts kannst du die Sprache wechseln...Recherchier’ mal gründlicher, ehe du voreilige Schlüsse ziehst!...und glaube mir, wenn es finanziell oder anders irgendwie möglich wäre in Europa zu touren, wären wir sofort dabei! Wir haben aber auch viele Fans in den europäischen Ländern, besonders in Großbritannien. Eines Tages werden wir kommen, und die Hölle wird losbrechen, wenn wir auf die Bühne kommen – versprochen!

Worum drehen sich eure Texte? So wie ich es verstehe, gibt es etwas Mythologie und Fantasy sowie den offensichtlichen Natur-Aspekt. Bestätigt das unsere Klischeevorstellung von der starken Bindung, die man in Skandinavien mit seiner Umwelt eingeht?

Mikko: Ja. Die meisten europäischen Länder sind so überbevölkert, dass die Menschen den Kontakt zur Natur verloren haben. In Finnland sind selbst die Großstädte recht überschaubar, so dass die Wälder nur einen Steinwurf entfernt sind, egal wo du gerade bist. Die Natur kam auch schon immer in der Mythologie und heidnischen Religion zum tragen.

Besten Dank für die Antworten – das wär’s von meiner Seite. Irgendwelche Anmerkungen oder abschließende Worte?

Mikko: Hört euch die neue Platte Reformation an, bleibt metal und palvokaa ukkoa!!! (Das dürfte wohl „Preiset Ukko“ bedeuten. Ukko ist eine Naturgottheit aus der finnischen Mythologie, nach der die Band auch ihr letztes Album benannt hat.)

Andreas Schiffmann


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